Nov 202013
 
boreddave

Seit ich im März 2005 erstmals in Azeroth als Jonnyb , der Taurendruide, auf dem Server Malfurion gespawnt bin, fesselt mich eine innere Sehnsucht an das Genre der MMORPGs.

   screen04lg

 

Eine Sehnsucht nach einem Gefühl von innerer Euphorie und Faszination, die glaube ich damals einen Großteil der MMO-Noobs gepackt hat.
In vielen Forendiskussionen habe ich entnommen, dass es einer ganz großen Anzahl von Spielern, vorwiegend diejenigen, für die "Weh oh weh" damals den Einstieg in das finstere Kellerkindermilieu bedeutete, ähnlich geht. Vielleicht ist es "nerdig" und bestimmt gibt es bessere Möglichkeiten sich heutzutage im Netz lächerlich zu machen…dennoch…

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Natürlich kam dieses Feeling, nachdem ich mich seither beim betreten einer neuen MMORPG-Welt sehne, mit Sicherheit nicht von irgendwoher. Mein Gott…2005. Da hatte ich eine ISDN Leitung zu Hause – Mitten in der CITY! Ich musste mir täglich einen Wecker stellen, damit ich eine Stunde Spielzeit im teuren Internet nicht überschritt. Als ambitionierter Zocker kam man aus einer bedrängten Welt in der man meist alleine durch die Gegend streifte und Aufgaben löste. Nie zuvor musste man sich mit anderen Leuten auseinandersetzen…schon gar nicht mit Fremden!!! Na klar, es gab "LANs" – also LAN-Parties – legendäre LAN Parties mit "Den Kranken". Da konnte man schonmal bei Counter Strike heulen weil man immer nur tot war, oder das andere Team bei Ages of Empires II und UT weil sie keinen Hauch einer Chance gegen uns als eingespielte WG-Netzwerkstrategen hatten. Doch komplexe Kommunikation, gar Gruppensuche und spontan Verbrüderungsszenen mit vollkommen wildfremden Leuten, von denen man eigentlich nicht wusste, ob sie Männlein, Weiblein, 18 oder 98 Jahre alt waren gab es auf unseren "LANs" nicht.

Zurück zu "diesem Feeling". Seither habe ich nahezu jedes MMORPG zumindest angespielt, dass auf den Markt kam. Einige über Tage oder Wochen, andere nur einige Stunden. Die Welt Hyboria aus Age of Conan wurde sogar anderthalb Jahre zu meiner festen Feierabendheimat.

Chatha_down


Das Genre wurde überflutet. Gab es am Anfang nur EverQuest, WoW und GuildWars so kamen ab 2007 beinahe monatlich neue Spiele hinzu. Natürlich IMMER mit großem Tamtam und vollmundigen Versprechen. Im besten Fall mit der Ankündigung, WoW vom Genrethron zu schubsen.  Einige verschwanden genau so schnell wieder von der Bildfläche. Bei dem meisten Kandidaten war das auch kein Verlust. Einzig Kandidaten wie Tabula Rasa ließen Einem ein bisschen das Herz schwer werden, war die Atmosphäre doch echt toll und das Genre, jenseits von Elfen und Orcs, erfrischend unausgelutscht. Oder WAR deren epische PvP Schlachten ihres Gleichen suchen. Als 2008 GuildWars2 angekündigt wurde, schien endlich ein Titel in Aussicht, der tatsächlich das Potenzial zu haben schien es sogar mit Blizzards Genreprimus aufnehmen zu können.

edsteam

Dennoch sitzt WoW bis heute auf seinem Thron. Nach neun langen Jahren der einsamen Herrschaft durch die eingene Größe und die überwiegend eigensinnige und "fremdenfeindliche" Community verdorben und vom strahlenden Arthas, Prinz der goldenen Wälder Lordaerons, zum verderbten Lichkönig auf dem eisigen Thron erstarrt. Emporkömmlinge, Ritter in strahlenden Rüstungen und Hoffnungsschimmer am Horizont werden durch seine pure Gegenwart in den Abgrund gerissen, in die Vergessenheit verdammt oder fristen ein unseeliges Dasein im Schatten des Königs.

Auch wenn es natürlich überspitzt ist, finde ich die Matapher aufgrund ihrer Ironie besonders passend, zumal offenbar ein grosser Teil der "Nicht-WoW" Spielerschaft das Spiel tatsächlich verteufelt, ungeachtet der Tatsache selber einmal einige Monate in Azeroth abgetaucht zu sein.

Im Ergebnis kann man eigentlich nur den Schluss ziehen, dass nur wohl nur Blizzard selbst den Zyklus beenden kann. Wahrscheinlich mit einem Nachfolger aus dem eigenen Hause, welcher ja unter dem Arbeitstitel "TITAN" auch schon in Arbeit zu sein scheint. Viel zu früh bescheinigen die etablierten Spieleseiten dem "noch" Genreprimus sein ableben, geschürt von den neuerlichen Veröffentlichungen, dass es ja "nur" noch 8 Mio. Spieler in WoW zu geben scheint. Meine Güte, da werden Sie sicher bald die Hütte dicht machen. Für mich ist Blizzard nach wie vor, eine der wenigen Spieleschmieden, derer Titel man ohne Bedenken schon weit vor Release in der Gewissheit vorbestellen kann, dass man das bekommt, was man erwartet. Ein grandioses Game.

Was den MMO-Thron anbetrifft, so haben sich nun die Herrscher der Reiche (R.Garriot, Bethesda, DaoCII, EQ Next) selbst auf ihre Rappen geschwungen, um einen Versuch zu starten den übermächtigen König zu stürzen.

Bleibt mir eigentlich nur Blizzard zu 9 Jahren WoW zu gratulieren und den Hoffnungsträgern der MMO-Spielerschaft (mir inklusive) viel, viel Glück zu wünschen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich auch auf deren Servern zu Besuch sein. Bis dahin denke ich über eine temporäre Reaktivierung meines WoW-Accounts nach…

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